Hallo zusammen,
Neulich in Bielefeld:
Haben Sie mal ein Taschentuch für mich?
Man hat mir gesagt, ich sei eine schlechte Mutter. Gestern. Warum ich eine schlechte Mutter bin? Weil ich keine Papiertaschentücher in der Müttertasche habe. Da sind andere Sachen drin: Heftpflaster, Jodsalbe mein Textfragmentsammelheft, Bonbons, ein Portemonnaie, ein Türstopper, uralte Bons, Lipgloss auch uralt und anderes worüber ich nicht sprechen möchte.
Also, die Supermutti sagte zu mir eine gute Mutter hätte IMMER Tempos dabei. Besonders, wenn das Kind so erkältet ist, dass es seine Umwelt mit grünem Schleim beträufelt oder einfach außerstande ist spurenlos zu essen. Ich fühlte mich als Versagerin.
Dabei nehme ich es mir immer ganz fest vor. Kaufe Papiertaschentücher in Großhandelsmengen, vergesse aber leider sie einzustecken. Im Keller steht ein Regal mit...? Richtig, mit Papiertaschentüchern. Einige mit lustigen Figuren darauf. Andere mit Kuschelfaktor, dreilagige, fünflagige und welche, deren Packung man wiederverschließen kann. Wer welche braucht, der kann sich einen Karton bei mir abholen.
Allerdings gebe ich zu bedenken, das es etwas sehr kommunikatives hat, keine dabei zu haben. "Haben Sie vielleicht ein Tempo für mich? " Und schon hat man wieder einen neuen Mitmenschen kennengelernt und durfte sogar einen Blick in eine fremde Handtasche erhaschen. Ich muss sagen, so unaufgeräumt ist meine gar nicht.
Die Person die mir vorgehalten hat ich sei aus Mangel an Taschentüchern eine schlechte Mutter hatte übrigens selber keine dabei. Ha! Wieder mal typisch für diese Supermuttis. Mit dem nackten Finger auf andere zeigen und selber Taschentücher im Keller horten.
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- Briefe vom Küchentisch
- Ich schreibe Geschichten. Und das meistens am Küchentisch. Über Themen rund um den Küchentisch. Kinder, Szenen einer Ehe, Intrigen, wunderbares und erstaunliches, schäbiges, abtrünniges, erbauliches, schaurig schönes, manchmal auch über einen kleinen Mord. Wie das eben so ist im Leben.