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Samstag, 9. Februar 2008

Gnädigste es hat nicht gerummst

Autofahren ist gefährlich!
Jeder weiß es, alle tun es trotzdem. Davon handelt meine Februargeschichte. Details sind immer eine Sache der Wahrnehmung aber der Kern bezieht sich auf eine wahre Begebenheit vor dreizehn Jahren hier bei uns im schönen Bielefeld.

Viele Grüße

Andrea




Gnädigste es hat nicht gerummst


Ich fuhr mit meinem alten Kadett C durch meine Heimatstadt. Mein erstes eigenes Auto. Meine alte Freundin Irmela hatte ihn den Hornhaut-Umbrafarbenen genannt. Wegen der leicht ins gelbliche gehenden hellbeigen Lackierung. Die Blätter der Kastanien leuchteten bunt in der Altweibersonne. Wo ich herkam weiß ich nicht mehr, nur noch, dass ich auf dem Weg nach Hause war.

An einer T-Kreuzung staute sich der Verkehr an der abschüssigen Straße. Vor mir ein silberner Wagen mit vier kleinkarierte Hütchen tragenden Personen. Dicht hinter mir ein blaues Auto. Bitte nicht nach dem Modell fragen. Ich bin Friseurin. Ich achte auf Farben!

Aus irgendeinem Grund rollte das silberne Auto, warum ich mir die Marke gemerkt habe, dazu komme ich noch, langsam aber stetig auf mich zu. So was passiert auch wieder nur mir. Ich stellte dem Golffahrer ein stilles Ultimatum: Noch bis zum nächsten Alleebäumchen dürfte er sich vorwagen. Dann aber würde ich die Hupe einsetzen. Hoffentlich war sie nicht verrostet. Der silberne Blitz gewann an Fahrt und ließ das Ultimatumsbäumchen rechts liegen. Hinter mir, mittlerweile Stoßstange an Stoßstange ein blaues Auto. Ich hupte, sie funktionierte aber nichts veränderte sich. Jetzt tutete ich verzweifelt im Dauerton. So rostig, so schräg das würde Tote erwecken. Dachte ich, aber der Golffahrer machte keine Anstalten zu Bremsen. Manche haben einen beneidenswert gesunden Schlaf.

Es gab kein Entrinnen. Silbernes Blech würde auf hornhaut-umbrafarbenes prallen und wir würden sehen, was am Ende dabei herauskam. Jetzt stellte sich nur noch die Frage, wie stark die Wucht des Aufpralls sein würde. Ich war im neunten Monat schwanger. Mein Baby strampelte. Fühlte es meine Angst oder wollte es auch etwas sehen? Schon gab es einen fürchterlichen Krach.
Im silbernen Gefährt schien man aufzuwachen und reckte die Hälse. Selbige waren im Schnitt fünfundsechzig Jahre alt. Das Nummernschild des Golfs war halb abgerissen und die Schürze hatte eine veritable Beule. Wie mein Auto jetzt aussah, konnte ich von meinem Standpunkt aus nicht erkennen, denn die Autokolonne schob uns weiter. Weil es ja eine T-Kreuzung war, mussten wir abbiegen, und der Silberling würde sicher bei der nächsten Gelegenheit anhalten. Er würde aussteigen, sich entschuldigen, mich nach meinem Befinden befragen und dann würden wir die Polizei holen oder auch nicht. Mein Baby bewegte sich. Es hatte den Seegang im Fruchtwasser gut überstanden.

Aber der Golf hielt nicht an. Nicht an der ersten Parkmöglichkeit, nicht an der zweiten. Wut und Empörung verdrängten die Hoffnung und gewannen die Oberhand. Jetzt würde ich die Verfolgung aufnehmen, wenn es sein musste bis nach Chicago. Die nächste Ampel war rot, das Rasen hatte ihm nichts genutzt. Dem würde ich was erzählen.
Ich stieg in meiner wutentbrannten doppelten Leibesfülle aus und riss die silberne Fahrertür auf. Einfach abhauen, wo bleibt denn da die Gerechtigkeit?

Der Fahrer war eine Fahrerin. Atemlos fragte ich sie, ob sie nicht gemerkt habe, dass sie mir vorne drauf gefahren sei. Nebenbei lugte ich auf die Schnauze von meinem Auto. Es schien kein sichtbarer Schaden entstanden zu sein. Ich schaute die wohlgenährte blondierte und stark geschminkte Frau erwartungsvoll an.
Sie sprach in blasiertem Ton folgende Worte „: Gnädigste es hat nicht gerummst“.
Es kam mir vor, als hielte die Welt den Atem an. In den Süden ziehende Vögel verharrten mitten im Flug, die Wolken erstarrten zu Vanilleeis, nicht der leiseste Windhauch ging.
Die kariert behütete knallte die Tür zu, fuhr mit quietschenden Reifen und schepperndem Nummernschild davon. Das war der Moment in dem ich mir die Automarke noch schnell merkte und das Kennzeichen mit zittriger Hand aufschrieb.

Wenig später, ich befand mich im Polizeipräsidium um Anzeige zu erstatten, besah sich ein netter Polizist den Schaden an meinem uralten Kadett und riet mir von einer Anzeige ab. Denn im silbernen Golf saßen vier Personen ich war nur eine. Also stand es vier zu eins für Hütchen. Meine Wut war mittlerweile sowieso verraucht und an meinem Auto konnte man nicht mal einen Kratzer erkennen. Wenigstens sah ihre Karre ordentlich kaputt aus.



Ps: Leute hütet euch vor silbernen Autos. Besonders vor denen einer bestimmten Marke und ganz besonders vor denen aus Gütersloh. Sofort die Flucht ergreifen, wenn Ihr herinnen einen, oder gar vier kleinkarierte Hüte seht. Ich hoffe aber Frau Hütchen hat ihren silbernen Rammbock nicht heimlich in irgendeiner gottverlassenen Scheune richten lassen, sondern ihn stillgelegt für immer und alle Zeit.

Über mich

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Ich schreibe Geschichten. Und das meistens am Küchentisch. Über Themen rund um den Küchentisch. Kinder, Szenen einer Ehe, Intrigen, wunderbares und erstaunliches, schäbiges, abtrünniges, erbauliches, schaurig schönes, manchmal auch über einen kleinen Mord. Wie das eben so ist im Leben.